Balkonpflanzen

Balkonpflanzen - Visitenkarten vor der Tür

Wahre Blütenkaskaden stürzen im Sommer an manchen Häusern von den Balkonbrüstungen herab; meist ist der Blütenschmuck spärlicher, aber es gibt kaum ein Haus, in dem nicht wenigstens ein paar Blumentöpfe auf der Fensterbank oder Kübelpflanzen auf der Terrasse für Farbtupfer sorgen. Zahlreiche Gewächse eignen sich dafür, doch sie müssen richtig gepflanzt und gepflegt werden.

giesskanne

Universaldünger in Pulverform wird mit einem Messlöffel dem Wasser beigegeben.

Standort

Balkon- und Kübelpflanzen haben gegenüber den fest im Erdboden verwurzelten Freilandpflanzen den entscheidenden Vorteil, dass sie sozusagen "mobil" sind: Man kann sie in ungünstigen Jahreszeiten und vor Unwettern mitsamt den Gefäßen, in denen sie wachsen, an einen geschützten Platz transportieren. Außerdem ist es unmittelbar am Haus leicht möglich, die Umwelt der Gewächse (beispielsweise die Lichtverhältnisse mit Markisen) gezielt zu verändern. Dadurch wird die Auswahl von Pflanzen, die unter dem Klima Mitteleuropas kultiviert werden können, erheblich vergrößert.

Klima

Gerade die beliebtesten Balkon- und Kübelpflanzen stammen aus warmen Klimazonen. Das Wuchsklima auf Balkons und Terrassen ist allerdings keineswegs ideal: An der Wetterseite gehen oft Schlagregen auf die Pflanzen nieder, während im Regenschatten des Hauses kein Tropfen fällt. Bei starker Sonneneinstrahlung heizt sich das Mauerwerk extrem auf. Die Lichtverhältnisse wechseln von voller Sonne bis zu tiefem Schatten. Dazu kommt der oft heftige Wind, der empfindliche Pflanzen verletzen, Kübel umwerfen und nicht sicher befestigte Balkonkästen herabwehen kann (für so verursachte Schäden kommt die Sturmversicherung in der Regel nicht auf).

Pflanzgefäße

Der Fachhandel bietet Kästen und Kübel aus den verschiedensten Materialien (Holz, Metall, Kunststoff, Beton, Terrakotta ...) und in den unterschiedlichsten Formen an. Wichtiger als Material und Form ist jedoch die Größe. Sie bestimmt den Wurzelraum, in dem sich die Pflanzen verankern, aus dem sie Nährstoffe und Wasser entnehmen können. Grundsätzlich sollten die Gefäße möglichst groß sein, es dürfen außerdem nicht zu viele Pflanzen in einem Gefäß untergebracht werden. Häufig wird nämlich die Wachstumsgeschwindigkeit unterschätzt und die Balkonpflanzen stoßen deshalb buchstäblich bald an die Grenzen des Wachstums. Je kleiner das Gefäß ist, umso größer ist außerdem die Gefahr von Schäden durch Frost, Überhitzung und Austrocknung; die Trockenheit wird an windexponierten Standorten ohnehin durch die Verdunstung verstärkt. Tongefäße, die Wasser durch die Poren des Materials nach außen abgeben, sind daher ungünstiger als Gefäße aus kompakten Materialien. Mindestens ebenso häufig kommen Schäden durch Übernässung und Luftmangel im Wurzelraum vor. Pflanzgefäße müssen deshalb Entwässerungsöffnungen besitzen; eine Schicht aus Kies, Tonscherben oder anderem grobkörnigen Material am Boden des Gefäßes verhindert, dass die Löcher von eingeschwemmter Erde verstopft werden.

Pflege

Balkon- und Kübelpflanzen benötigen mehr Pflege als die meisten Freilandpflanzen. Dazu gehören insbesondere regelmäßige Düngung und Bewässerung. Während Pflanzen, die auf dem Erdboden wachsen, ein großes Volumen mit ihren Wurzeln erschließen können und größtenteils durch die vom Boden nachgelieferten Nährstoffe versorgt werden, müssen sich Pflanzen in Gefäßen mit einen begrenzten Wurzelraum und damit auch begrenzten Speicherraum für Nährstoffe und Wasser begnügen. Sie leben folglich oft "von der Hand in den Mund", brauchen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen, regelmäßig Düngergaben.

Düngen

Allerdings ist eine leichte Unterernährung meist besser als zu reichliches Düngen, denn gerade bei der gewünschten Blütenpracht bewirkt zu viel Dünger oft das Gegenteil. Darüber hinaus sind die speziellen Nährstoffansprüche der Pflanzen zu berücksichtigen, vor allem bei den beliebten Kompositionen von Pflanzen unterschiedlicher Gruppen in einem Gefäß.

Vor und nach dem Düngen sollten die Pflanzen bewässert werden, damit sich die Nährstoffe gleichmäßig in der Erde verteilen und nicht zu hohe Konzentrationen der aggressiven Nährsalze entstehen.

Gießen

Grundsätzlich gießt man nicht in der Mittagshitze, sondern am Morgen oder Abend und verwendet dazu am besten Regenwasser, das keinen gelösten Kalk enthält und nicht so kalt ist wie das Wasser aus der Leitung. Durch schlaffe oder eingerollte Blätter zeigen die Pflanzen sehr genau an, dass sie gegossen werden müssen. Solche Zeichen sind übrigens auch nach ergiebigen Regenfällen zu beobachten, denn die Blätter, die sich wie Schirme über dem Balkonkasten entfalten, lassen im Allgemeinen nur wenig Wasser in die Erde gelangen.

Pflanzenschutz

Irgendwann haben die Pflanzen die Erde im Pflanzgefäß vollkommen durchwurzelt. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, ist es dann höchste Zeit, mehrjährige Pflanzen in größere Gefäße umzutopfen. Jungpflanzen brauchen meist jährlich ein passendes Pflanzgefäß, bei älteren Pflanzen genügt es, sie alle zwei bis drei Jahre umzutopfen. Im Allgemeinen topft man sie im Frühjahr um und tauscht dabei auch die Erde aus, die in der Zwischenzeit oft ihr krümeliges, luft- und wasserdurchlässiges Gefüge verloren hat und mit Krankheitserregern verseucht ist. Die maximale Größe des Pflanzgefäßes ist erreicht, wenn es nicht oder nur noch mit großem Umstand transportiert werden kann. Dann hilft nur noch eine behutsame Verkleinerung des Wurzelballens, am besten indem zwei oder drei Keile herausgeschnitten werden.

Überwinterung

Robustere Balkon- und Kübelpflanzen können draußen an einem geschützten Platz überwintern, wenn man sie sorgfältig mit dämmenden Materialien (Strohmatten, Luftpolsterfolien, aufgeschäumten Kunststoffe wie Styropor) vor dem Frost schützt. Manche Arten sind jedoch sehr kälteempfindlich, "erkälten" sich schon bei Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt und brauchen daher einen absolut frostsicheren Überwinterungsort. Für Kübelpflanzen, die im Herbst die Blätter verlieren und die Winterruhe beginnen, genügt irgendein dunkler, frostfreier Raum, die immergrünen Arten müssen dagegen an einem hellen, je nach Wärmeansprüchen kühlen bis leicht temperierten Ort überwintern, am besten im Wintergarten. Da bei immergrünen Gewächsen die Vegetationsperiode nicht endet, sollten sie auch im Winter hin und wieder gegossen, aber nicht gedüngt werden.

Schädlingsbekämpfung

Besonders Rosengewächse sind sehr anfällig für Schädlinge, beispielsweise Blattläuse, Raupen und Wurzelälchen. Grundsätzlich sollte man auf chemische Schädlingsbekämpfung verzichten, da die Giftstoffe auch die Umwelt und die Gesundheit von Tier und Mensch schädigen können. Setzen Sie lieber Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegen zur natürlichen Schädlingsbekämpfung ein. Mischpflanzungen können ebenfalls vor Schädlingsbefall schützen: Lavendel vertreibt Blattläuse, Salbei und Thymian halten Raupen fern.

Beliebte Balkonpflanzen

In hiesigen Gefilden sehr beliebt und leicht zu pflegen sind eine ganze Reihe von Zierpflanzen. Dazu zählen unter anderem:

  • Begonie (Begonia): mehrjährige Knollengewächse in zahlreichen Sorten mit den verschiedensten Blütenfarben und Wuchsformen, bevorzugen halbschattige Standorte und frische, nährstoffreiche Böden.
  • Bougainvillee oder Drillingsblume (Bougainvillea): kletternde Ziersträucher mit unscheinbaren Blüten, aber prächtig gefärbten Hochblättern, brauchen viel Sonne und einen frostsicheren Platz.
  • Fleißiges Lieschen (Impatiens): reich blühende Stauden für helle Standorte, aber nicht direkt im Sonnenlicht, sehr kälteempfindlich.
  • Fuchsie (Fuchsia): winterharte, in mehr als 1000 Sorten gezüchtete Sträucher für halbschattige Standorte und kalkfreie Böden.
  • Kapuzinerkresse (Tropaeolum): einjährige Sommerblumen in verschiedenen Wuchsformen für vollsonnige bis halbschattige Standorte, brauchen nährstoffreiche Erde.
  • Männertreu (Lobelia): zierliche, einjährige Glockenblumengewächse, die an sonnigen bis halbschattigen Standorten reich blühen, auch auf nicht zu nahrhafter Erde.
  • Oleander (Nerium): immergrüne Ziersträucher für luftige, sonnige Plätze, müssen reichlich gegossen werden und brauchen im Winter einen hellen, frostsicheren, aber kühlen Platz (alle Pflanzenteile sind giftig).
  • Pantoffelblume (Calceolaria): ein- oder mehrjährige Braunwurzgewächse, bevorzugen halbschattige, kühle Standorte ohne direkte Sonneneinstrahlung, vertragen keine Trockenheit.
  • Pelargonie, Geranie (Pelargonium): umfangreiche Gruppe von Storchschnabelgewächsen, die zu den beliebtesten Balkonpflanzen gehören, sich aber in ihren Wuchsformen und ökologischen Ansprüchen deutlich voneinander unterscheiden.
  • Petunie (Petunia): einjährige Sommerpflanzen in zahlreichen aufrecht wachsenden und herabhängenden Formen, gedeihen auch an halbschattigen Standorten.
  • Roseneibisch (Hibiscus): immergrüne, kälteempfindliche Sträucher mit großen attraktiven Blüten, brauchen warme, sonnige bis halbschattige Standorte und reichlich Wasser.
  • Studentenblume (Tagetes): einjährige Sommerblumen in vielen Sorten, für sonnige Plätze und frische Böden, riechen etwas streng, halten jedoch Schädlinge fern.
  • Beliebt sind auch Immergrün, Stiefmütterchen und Margeriten.

Nützliche Adressen

Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau
Ahlem
Heisterbergallee 12
30453 Hannover
Tel.: 05 11/4 00 51 52
Fax: 05 11/4 00 52 00
E-Mail: lvg.ahlem@lawikhan.de

Tipps!

Austopfen

Bei kleinen Pflanzen zunächst die Erde vom Topf abkratzen. Pflanze zwischen zwei Fingern halten, Topf umdrehen und klopfen, bis sich der Erdballen löst. Bei großen Pflanzen Topf zunächst kippen und Erdballen mit Hammer losklopfen. Topf wieder umdrehen und Pflanze herausziehen.

Eintopfen

Neuen Topf mit Erde füllen und eine Mulde graben. Wurzelballen mit einer Hacke lockern und dann die Pflanze in die Mulde eindrücken. Erde nochmals auffüllen und fest andrücken.

Düngen

Tablettendünger wird mit einem Holzstab oder mithilfe eines Bleistifts in die Erde gesteckt. Flüssigdünger dem Gießwasser beimischen. Zu viel unverdünntes Düngemittel schadet nur den Blättern und belastet zudem die Umwelt!

Quelle: Der Alltags-Brockhaus, © Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim